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Kirchborchen Geschichte
 
In zwei kleinen Nebentälern der unteren Alme, durch einen Bergrücken getrennt, liegen die beiden Dörfer Kirch- und Nordborchen.

Kirchborchen liegt südlich des Höhenrückens und hieß früher Südborchen. Da es aber für beide orte sowie für Alfen und den Gutsbezirk Hamborn der kirchliche Mittelpunkt war, so ist der Name "Kirchborchen" schon früh in Gebrauch gekommen. Heute ist Alfen eine eigene Pfarre und auch Nordborchen ist ziemlich selbständig. Es besitzt eine eigene schöne Kirche.

Doch wohl über 1000 Jahre sind die Gläubigen dieser Gegend nach Kirchborchen zur Kirche gewallt und haben sich dort Stärkung auf der irdischen Pilgerreise geholt.

Die dauernde Regelung der kirchlichen Verhältnisse geschah durch den Bischof Meinwerk von Paderborn. Er gründete dort das Kloster Abdinghof und besetzte es mit Benediktinern. Das jetzige Kirchspiel "Kirchborchen" gehörte zu dieser Zeit zur Paderborner Markkirchpfarre. Es besaß eine hölzerne Kirche. Die Stiftung des Klosters Abdinghof wurde im Jahre 1031 vollzogen. Bischof Meinwerk übertrug Borchen nebst anderen Dörfern dem neuen Kloster und beauftragte dieses mit der Seelsorge des ganzen Bezirkes. Das Kloster Abdinghof widmete sich seiner Aufgabe sofort mit großen Eifer. Schon bald ließ der zweite Abt Wolfgang in Südborchen eine neue, steinerne Kirche erbauen, die im Jahre 1043 eingeweiht wurde.

Die weitere Geschichte der ältesten Zeit ist in Dunkel gehüllt, da die Kirchenbücher bis zum Jahre 1628 nicht mehr vorhanden sind, im übrigen aber nur spärliche Nachrichten vorliegen. So wissen wir auch nicht, wann Kirchborchen selbständige Pfarrei geworden ist, ob sofort nach dem Übergang an Abdinghof, oder erst später. Auch von den an der Kirche wirkenden Geistlichen wissen wir bis 1600 nicht viel. Der älteste Geistliche, dessen Name wenigstens bekannt ist, war Ludolphus, der 1210 als "sacerdos in Borchen" ("Priester in Borchen") erwähnt wird. Den nächsten Anhaltspunkt finden wir im Jahre 1525, wo Severinus de Brilon als Vorgänger des neuen Pfarrers Georg Tilen erwähnt wird. Auch das Schicksal der Kirche selbst während dieser Zeit ist uns völlig unbekannt. Die lückenlose Reihe der Pfarrer läßt sich erst seit 1628 aufführen, da seitdem die Kirchenbücher vorhanden sind.

Der Pfarrer Hermann Budden (1628-1641) legte diese Bücher neu an. Der Verlust der alten ist wohl auf die Wirren des 30jährigen Krieges zurückzuführen. Für den Pfarrherrn gab es auch bald wichtige Tatsachen in seinem neuangelegten Buche zu berichten. Denn im Jahre 1636 wütete 10 Monate lang eine pestartige Krankheit, wie sie im 30jährigen Kriege vielfach auftraten. Es starben daran in Kirchborchen 197, in Nordborchen 144, in Alfen 118 und in Hamborn 2 Personen. Im Monat September wurden allein 96 Personen beerdigt, also täglich mehr als 3. Zum Vergleiche seien die Sterblichkeitsziffern für 1635 mit 15 Personen und 1637 mit 17 Personen angeführt. Auf Grund dieser Krankheit entstand damals die St. Vitusprozession. Damals versprachen die Einwohner, künftig dieser Prozession fleißig beizuwohnen, keiner solle zu Hause bleiben außer den Alten, Kranken und kleinsten Kindern. sie wollten auch bis nach gehaltener Prozession nüchtern bleiben und selbst das Vieh solle solange fasten. Ferner gelobten sie, nach ihrem Vermögen Almosen zu geben, damit Gott sie vor künftigen Übeln beschützen möge. Der Nachfolger des Pfarrers Budden war Martinus Apen (1641-1673). unter ihm wurden in der Kirche einige Veränderungen und Verbesserungen vorgenommen, wie sich aus einem vertrage ergibt, der zwischen dem Abte Leonardus von Abdinghof und dem "erhabenen und erfahrenen" Meister Johannes Huyßen abgeschlossen wurde. Ihm wurde die Ausführung der Arbeit für 160 Taler übertragen. So brach man denn im Jahre 1660 in der Kirche vier neue Fensterlöcher, ferner wurde eine neue Kirchentür mit Treppen vor dem Chore angelegt. Wer die Fenster lieferte und wie sie gehalten waren, darüber ist nichts bekannt. - Im Jahre 1663 wandte der Pfarrer seine Sorge der St. Galluskapelle zu. Er ließ sie ganz neu errichten.

Dann leitet 31 Jahre lang der tüchtige Pfarrer Bonifatius Ernesti die Pfarre (1673-1704). Er war wie sein Vorgänger ein Benediktiner aus Abdinghof. zuerst hat er die noch vorhandenen Schriftstücke und Urkunden gesammelt und einbinden lassen. Ob er aus Borchen oder der Umgegend stammte, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, aber von seinen Schwestern heiratete Gertrud einen Johann Reuters in Nordborchen und Anna eine Paul Dransfeld in Alfen. Er selbst vollzog die Trauung. Er hat sie auch beide überlebt, denn er berichtet selbst im Kirchenbuche, daß er 1697 seine Schwester Gertrud und 1700 Anna beerdigt habe. Letztere war nur 42 Jahre alt geworden. Mit den Grundherren zu Nordborchen, den Herren Oeynhausen, scheint Ernesti wenig harmonisiert zu haben. Er hatte mit ihnen manchen Strauß auszufechten. so heißt es denn auch in seinen Notizen bezüglich des Adels: Glücklich ist der Pastor, dem kein Junker kommt auf' s Chor ! Er starb 1704.

Sein Nachfolger, Bernhard Maes (1704-1719), hat die Prozessionen in der Bittwoche neu geordnet und ihre Ordnung hinterlassen. Danach ging die Prozession am Montag nach dem Kreuze hinter der Lied, wo Predigt gehalten und die gewöhnliche Einsegnung der Äcker vorgenommen wurde. Am Dienstag wurde die Prozession bis vor Paderborn geführt, bis zu Brinkmanns Hof, in der Nahe der Siechenkapelle. Diese Prozession wurde 1721 durch den Weihbischof Wilhelm Hermann Wolf von Metternich zu Gracht aufgehoben. Am Mittwoch zog die Prozession zu einem Heiligenhäuschen im Alfer Buchholze. Donnerstag, am Feste Christi Himmelfahrt, ging es nach Paderborn zum Kloster Abdinghof, wo man der predigt, dem Hochamte und der dortigen Klosterprozession beiwohnte. Nachmittags um 2 Uhr kehrte man wieder nach Borchen zurück. diese Prozession hörte natürlich mit der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 auf. Der Hauptkirchenpatron ist der heilige Erzengel Michael, dessen Fest stets feierlich begangen wurde. Pfarrer Maes berichtet darüber folgendes : "Das Fest wird soelemnissime (hochfestlich) gefeiert. Der Abt von Abdinghof wird zum Hochamte, und drei andere Patres werden zum Beichthören eingeladen." Diese Gewohnheit hat bis zur Aufhebung des Klosters ebenfalls so bestanden. Alle diese Dienste wurden dem Pastor von seiten des Klosters unentgeltlich geleistet. - Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß der Pfarrer sonntags nicht zwei Messen zu lesen brauchte, denn zur Frühmesse kamen Patres aus Paderborn herüber. sie erhielten dafür von der Gemeinde 16 Reichstaler. Einer von ihnen war stets der Lektor des Klosters. Er erhielt 8 Taler, die anderen erhielten je 4 Reichstaler .

Unter dem folgenden Pastor, Peter Mershof (1719-1725), finden wir ein sehr interessantes Ereignis verzeichnet. Er ließ nämlich am 20. November 1719 wohl zum ersten Male ein Mission durch die Jesuiten abhalten. unter ihm wurde auch der Hochaltar renoviert und am 28 September 1721 von dem Abte und Weihbischof Pantaleon Bruns konsekriert. Als Weihegedenktag wurde vom Fürstbischof von Paderborn eigenhändig der Sonntag vor St. Vitus (15.Juni) bestimmt.

Unter dem Pfarrer Maurus Wiemers (1725-1751) berichtet die Kirchenchronik über eine große Überschwemmung, die im Jahre 1736 oder 1738 stattfand. Sie wurde hervorgerufen durch das Übertreten der vier bei Borchen sich vereinigenden Gewässer. Der Chronist berichtet: "Im Jahre 1738 war hierselbst dien große Wasserflut. Das Wasser verwüstete in der Kirche alles, warf den Hochaltar um und zerstörte die Kirchenstühle. Die Kirche wurde durch die Hilfe des Klosters Abdinghof, dem sie inkorporiert war, ausgebessert, das Chor höher gelegt und neue Kirchenstühle auf Kosten der Gemeinde angeschafft." Bei dieser Überschwemmung ertranken drei Kinder im Alter von neun, acht und drei Jahren, wie es die Kirchenbücher ausweisen. Es waren die Geschwister Kaspar, Elisabeth und Johannes Nagel. Sie wurden am 23. und 24. Mai begraben, und der Pfarrherr vermerkte im Begräbnisbuch hinter jedem "aquis diluvii submersum" ("durch die Wasserflut ertrunken"). Um diese Zeit wurden auch im Chore noch Betstühle aufgestellt, um sie Fremden anzubieten. Einer davon war dem Abte von Abdinghof vorbehalten. Er war mit dem Klosterwappen geschmückt. Der Abt scheint also Borchen damals gern und oft besucht zu haben. Im Jahre 1741 wurde der erste Nebenaltar errichtet und im folgenden Jahre der Muttergottes als Himmelfahrtsaltar vom Abte und Weihbischof Meinwerk Kaup geweiht. Als Weihetag galt das Fest Mariä Himmelfahrt, an dem lange Zeit an diesem Altare das Hochamt gehalten wurde.

Der Ausbau der Kirche wurde unter dem Pfarrer Paulus Volkel (1751- 1786) fortgesetzt und bedeutend gefördert. Er begann 1752 mit dem Bau der Sakristei. Die Kosten wurden aus dem Kirchenfond bestritten. Jedoch steuerte auch das Kloster in Paderborn dazu bei. Durch den siebenjährigen Krieg wurde der Ausbau der Kirche eine Zeitlang unterbrochen. Hatten doch die Dörfer und auch ihr Pfarrer während dieser Kriegsjahre unter Einquartierungen und Kontributionen sehr viel zu leiden. Aber kurz nach Kriegsende wurde die Ausschmückung der Kirche wieder aufgenommen. In den Jahren 1766 und 1767 wurde das Gotteshaus durch eine Orgel verschönert, deren Kosten aus dem Kirchenfond und aus Sammlungen bestritten wurden. Der Chronist beklagt dabei, daß kein Fond zur Unterhaltung der Orgel angelegt wurde. Im folgenden Jahre ging man weiter und errichtete eine zweiten Nebenaltar zu Ehren der hl. Agatha. ( 68) An diesem Altare wurde am Feste der hl. Agatha das Hochamt gehalten, was noch zu Zeiten des Chronisten Tiemann üblich war (1820).

Pfarrer Volkel kehrte 1786 wegen Altersschwäche ins Kloster zurück. Er hat für den Ausbau der Kirche wohl bisher das meiste getan. sein Nachfolger war Wolfgang Heitland (1786-1802). Dieser wurde 1802 zum letzten Abte von Abdinghof gewählt. Schon in diesem Jahre ging das Fürstentum Paderborn an Preußen über. Im folgenden Jahre wurden die Klöster aufgehoben, Abdinghof am 22. März 1803. Das war auch für die zugehörigen Kirchen ein schwerer Schlag und bereitete dem neuen Pastor Joseph Schulte (1802-1805) großen Kummer. Er hatte jetzt an den Festtagen keine Hilfe mehr an den Mitbrüdern und auch keine Unterstützung mehr bei Bauten und Reparaturen. Er starb 1805 an einer Fieberepidemie, die hier seit 1804 grassierte und viele Opfer forderte.

Auf ihn folgte Anselm Tiemann (1805-1820) der die Chronik zuerst aufgeschrieben hat. Er erhielt seine Bestallung vom Könige von Preußen. Der Bestallungsbrief ist in der Chronik noch vorhanden. Vor Aufhebung des Klosters war er dort Lektor gewesen.

Noch im Jahre 1805 ließ er die Kirche weißen, was außer dem Kalk 12 Reichstaler kostete. Der größte Teil seiner hiesigen Tätigkeit fällt in die Zeit der napoleonischen Kriege. Sehr klagt er über die Lasten der täglichen Durchmärsche und Einquartierungen. Traurig stimmen ihn die Vorgänge von 1806/07 und der Übergang seiner Heimat an die französische Verwaltung und das Königreich Westfalen. Unter ihm wurde 1810 die Mitternachtsmesse zu Weihnachten durch den Generalvikar auf 4 Uhr morgens verlegt. 1811 ließ er die Galluskapelle ausbessern.

Da er feststellte, daß an den Bittprozessionen in der Kreuzwoche wegen der langen Wege außer den Schulkindern fast niemand teilnahm, so änderte er sie ab. Von da ab wurde die Dienstagsprozession nach der Galluskapelle geführt. Mittwochs zog sie zu dem Heiligenhäuschen auf dem Geslau.

Von ihm erfahren wir auch etwas von der Markusprozession. Er berichtet darüber. "Ehemals kamen die von Obern- und Niederntudorf mit uns entweder beim Kreuze auf dem alten Felde oder an dem Heiligenhäuschen der heiligen Walpurgis zusammen, wo der Pfarrer von Borchen predigen und Benedictiones verrichten mußte. Aber oft habe ich mit meiner Prozession eine ganze Stunde auf die eine oder andere Prozession warten müssen, welches bei so rauhem Wetter, wie gewöhnlich auf Markus noch einfällt, sehr unangenehm war. Jetzt geht die Prozession nach dem Klee, wo ehemals das Meische - Heiligenhäuschen stand. Hier ist Predigt und Einsegnung."

Er berichtet auch über den Mangel an Kornfrüchten und Gemüsen im Hungerjahre 1817 und daß die Kartoffeln 1 Reichstaler und darüber pro Scheffel gekostet haben. Er verließ Borchen 1820 und ging als Pfarrer nach Stukenbrock, wo er einige Jahre später gestorben ist. Er war der letzte Benediktiner aus Abdinghof, der obschon das Kloster aufgehoben war, die alte Pfarrei der Benediktiner verwaltete. Annähernd 800 Jahre von 1031 - 1820, hatten die Söhne des hl. Benedikt hier ihre besten Kräfte der Seelsorge der drei Gemeinden gewidmet. In Kriegs- und Hungersnot, bei Epidemien und Wassersnot, aber auch in guten Zeiten haben sie stets treu ihres Amtes gewaltet und die alte Kirche von Borchen ausgebaut und stetig verbessert. Sie haben still ihre Arbeit getan und gearbeitet für ein hohes Ziel.

von Dr. Poth, Warstein 
in: Die Warte 5 / 1933

 
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